• Monika Berger

Das Bauchbaby (17), Die Umwelt der Mutter


Die Umwelt der Mutter spielt eine große Rolle in der Schwangerschaft. Schicksalsschläge, Verluste, Armut, Arbeitslosigkeit, Probleme mit dem Vater, Trennungen und Krieg beeinflussen das Gefühlsleben einer jeden Mutter massiv. Die Freude über ein Kind muss während eines Krieges der Angst um die Existenz und der Sorge um den Zustand des Mannes weichen. Angst, Verzweiflung, Freudlosigkeit und Resignation nehmen stattdessen den Platz der Freude ein. (vgl. Alberti, 2002, S.153-154) „Es ist wichtig die individuelle Lebensgeschichte in größere Zusammenhänge einzuordnen. So kann auch die vorherige Generation in ihren seelischen Lebensbedingungen gesehen werden, die gleichzeitig wieder für ihre Kinder eben solche geschaffen hat – so setzen sich über Generationen gute Kräfte, aber auch Traumata fort. Sollen negative soziale Vererbungen gestoppt werden, brauchen wir die generationsübergreifende Betrachtungsweise.“ (Alberti, 2007, S. 155)

Fallbeispiele

Allesandra Pitonelli, eine praktische Ärztin, Kindertherapeutin und Psychoanalytikerin, konnte mittels Ultraschall bei drei Einlingen und vier Zwillingspärchen, die sie auch nach der Geburt noch vier Jahre lang beobachtete, ein Verhalten feststellen, das vom Uterus bis ins Kleinkindalter festzustellen war. Gleichzeitig behauptete sie jedoch nicht, dass dieses kontinuierliche Verhalten nur auf die pränatale Phase zurückzuführen sei, sondern auch auf die Interaktion der Eltern mit den Kindern. Marisa und Beatrice, ein Zwillingspärchen, schlugen einander schon im Mutterleib und behielten diese Feindseligkeit auch nach der Geburt bei, sobald es ihnen von der Motorik her möglich war. (vgl. Ellensohn, 2004, S. 65) Alice und Luca, ebenfalls Zwillinge, berührten sich liebevoll im Uterus durch die Membran und nur ein Jahr später gehörte es zu ihren Lieblingsbeschäftigungen, einander durch einen Vorhang hindurch zu streicheln. (vgl. Ellensohn,2004, S. 65-66)

Der Psychiater Tomas R. Verny (1981, S. 16) berichtete von einem Dirigenten des Hamilton Philharmonic Symphony Orchestra, Boris Brott. Dieser wurde im Laufe eines Interviews gefragt, wie er denn zur Musik gekommen sei. Er antwortete nach einer kurzen Pause, dass es zwar seltsam klingen würde, aber dass die Musik schon immer zu ihm gehört habe. Als Jugendlicher sei er erstaunt gewesen über seine Fähigkeit, einige bestimmte Stücke ohne Noten zu spielen. Bei einer Partitur, die er das erste Mal dirigierte, habe er gewusst, wie das Stück weitergehen würde, ohne dass er umgeblättert habe. Besonders die Cello-Stimme sei ihm bekannt gewesen. Er habe daraufhin mit seiner Mutter gesprochen, die sehr verwundert darauf reagierte. Als sie aber erfuhr, um welche Partitur es sich handelte, wurde die Sache klar. Während sie mit Boris Brott schwanger war, hatte sie genau jene Partitur gespielt.

Ein deutscher Arzt der Hypnosetherapie, Dr. Claus Blick, hatte einen Patienten, der unter Angstzuständen und darauffolgenden schweren Hitzewallungen litt. Der Arzt versetzte den Patienten in Trance und ließ ihn durch die Schwangerschaftsmonate gehen. Der Patient sprach dazu in normaler Stimme, bis er plötzlich in einen Zustand der Angst und Panik geriet, als er von einem Ereignis im siebten Monat sprach. Er führte nach dieser Therapiestunde ein klärendes Gespräch mit seiner Mutter, die zugab, versucht zu haben, ihn im siebten Monat mit heißen Bädern abzutreiben. (vgl. Verny, 1981, S. 57-58)Eine Mutter bemerkte bei ihren Zwillingen, dass eines der beiden wild zu strampeln begann, als sie staubsaugte. Nach der Geburt veränderte sich nichts an dem Verhalten des kleinen Mädchens. Es wurde genauso unruhig wie während der Schwangerschaft. Der andere Zwilling aber, ein Junge, schien mit dem Geräusch nie Probleme zu haben, er schlief auch nach der Geburt sofort ein, wenn er das Staubsauger-Geräusch vernahm. (vgl. Rijt/Plooij, 2009, Position 203)

Dr. Peter Fedor Freybergh, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie an einer schwedischen Universität, erzählte Thomas Verny folgende Begebenheit einer Mutter mit ihrem neugeborenen Kind, welches die Brust der Mutter unerklärlicherweise jedes Mal, wenn es gestillt werden sollte, ablehnte. Zum ,,Bonding“ gehört das Suchen nach der Brust, es ist ein natürlicher Vorgang. Dr. Freybergh nahm an, das Kind sei krank, doch ihm wurde von der Neugeborenenabteilung mitgeteilt, dass das Baby eine ganze Flasche Fertigmilch getrunken hatte. Neugierig geworden, startete er ein kleines Experiment, indem er eine andere Mutter darum bat, das Kind zu stillen. Das Baby wurde ihr an die Brust gelegt und zur Verwunderung aller begann es kräftig zu saugen. Dr. Freybergh erzählte dies der Mutter des Kindes und fragte sie, ob sie in der Schwangerschaft krank gewesen sei. Sie verneinte und er kam direkt zu der Frage, ob sie das Kind überhaupt gewollt hatte. Die Mutter gab ehrlicherweise zu, dass sie das Kind nur wegen ihrem Mann behalten hatte, ansonsten hätte sie es abgetrieben. Für den Arzt und Thomas Verny war klar, dass sich das Kind von der Mutter emotional im Stich gelassen gefühlt hatte und die Abneigung ihm gegenüber monatelang gespürt hatte. So wollte es nun auch seine Mutter im Stich lassen. Auch wenn diese Mutter-Kind-Beziehung sehr labil wirkt, sie kann sich noch mit viel Liebe und Geduld der Mutter bessern. (vgl. Verny, 1981, S. 67-68)


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