• Monika Berger

einfach geschenkt (2)


Sosehr zum Geschenk das Moment der Freiheit gehört, so sehr ist doch eine Antwort auf die Gabe angebracht. Ein Geschenk will beantwortet werden. Die Wechselseitigkeit, die wir hier meinen, besteht aber nicht einfach in einer Gegengabe.

Es geht vielmehr um die Vervollkommnung des Geschenkten. Die Gabe muss ja nicht nur angeboten, sie muss auch entgegengenommen werden. Diese Annahme ist die angezielte und angemessene Reaktion.

Die Bereitschaft, sich beschenken zu lassen, bringt den ganzen Vorgang erst zu seinem Ziel. Damit ist aber nicht eine regungslose Trägheit gemeint.

Eine wahrhaft menschliche Art der Empfangsbereitschaft erfordert, dass der Empfänger seinen guten Willen bemüht, um Geber und Gabe richtig zu würdigen. Es ist gerade diese aufmerksame Annahmebereitschaft, nach der das Geschenk verlangt. Wenn wir es geistesabwesend, gleichgültig oder gar feindlich annähmen, würden wir den Geschenkcharakter völlig verkennen.

Das Moment des Unverdienten, das dem Geschenk immanent ist, erfordert einen Empfangsbereitschaft, , die man „Verfügbarkeit” nennen kann. Der Empfang eines Geschenkes folgt ja nicht auf seine Übergabe, so wie eine logische Ableitung aus einer Prämisse folgt.

Zwischen Geben und Empfangen liegt das Moment der radikalen Überraschung, die ihren Grund in der Wurzel des Geschenkes hat.

Die wichtigste Antwort auf das Geschenk ist somit die Anerkennung seiner Unverdientheit.


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© 2017 Echt.Frau Inhaberin: Monika Berger, 4030 Linz, Österreich

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